…fragte mich neulich ein Gast. In gebrochenem Englisch erklärte er mir, dass es ihm nicht gut gehe, dass er was geschrieben hat und ob ich es kopieren kann. „Natürlich!“ sagte ich und ging ins Büro, um es für ihn zu kopieren. Er meinte, ich solle die Kopien verteilen, damit er jemanden findet, der ihm helfen kann. Also gab ich ihm das Original zurück und brachte die Kopien zu meinen arbeitenden Kollegen in die Küche und begann zu lesen.

Er schrieb, er sei obdachlos und bereits um die halbe Welt gereist, aber er habe das Gefühl, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Er sei wohl schon öfter beim Arzt gewesen, habe aber keine Krankenversicherung. Und sowieso konnte ihm keiner dieser Ärzte helfen. Dann fing es an merkwürdig zu werden. Er sei durchsetzt mit Microchips, die ihn überwachen, kontrollieren und sogar zu Dingen zwingen würden. Dass er wohl was mit der Psyche hat, war für mich ab dem Zeitpunkt klar. Das dachte er sich sicher schon, denn folgend schrieb er, dass er keine psychiatrische Hilfe brauche, er brauche jemanden, der die Microchips findet und entfernt.

Er vertraute sich mir an, also wollte ich mich zumindest mal umhören, was meine Kollegen dazu sagen, wie ich ihm evtl. helfen könnte. Doch auch gemeinsam kam uns keine Idee, wie man ihm nahebringen könnte, es noch einmal bei Ärzten zu versuchen, ohne ihn zu kränken. Auf der Arbeit gehört es nicht zu meinen Aufgaben, mich Problemen der Gäste anzunehmen, dafür hat der Hilfsverein St.Ansgar andere Anlaufstellen. Dennoch ist es schön, wenn sich ein fremder Mensch einem anvertraut. Nur schade, dass ich in diesem Fall nicht helfen konnte…