Aus einer Einsatzstellenreflexion von Gruppe 5 ist dieses Gedicht entstanden, darüber, wie unterschiedliche Menschen die Arbeit eines Freiwilligen vielleicht sehen. Geschrieben von Johannes Lüttmann:

Mit besten Grüßen aus dem Norden,
dem Land der Küsten und den Fjorden,
Zeig ich euch ein Bild von meiner Welt, mit viel Arbeit und wenig Geld,
doch glaubt mir, das ist nicht, was man am Ende in Erinnerung behält.

Wie die Welt mich sieht
Was meine Freunde glauben?
Die Kinder hängen an mir wie Trauben
An einem großen Baum.
Als sei alles ein schöner Traum
Und ich der Herr von Garten Eden.
Ich erfinde neu das Reden,
Lehre sie, deutsch zu sprechen
und nicht die Regeln zu brechen.
auf meine Stärke kann man bauen,
Ich bin ein einziger Mann unter vielen Frauen.

Meine Familie denkt, ich kann alles reparieren,
Scheine auch zwischen 20 Kindern nie den Überblick zu verlieren.
Sie denken, ich bin für die Kinder der hellste Stern
Und doch wissen auch sie, in der Pause schlaf ich gern.
Auch wenn ich einiges kann, wird mir manches doch zu viel.
Jedoch tät ich das niemandem sagen, ist einfach nicht mein Stil.

Auch meine Anleiterin
Weiß, dass ich unabdingbar bin,
Gut kennen tut sie mich wohl,
Hält mich keineswegs für hohl.
Sie schätzt meine Arbeit sehr
Und weiß, ich zu meistens mehr
Als meine Anstellung von mir verlangt,

Wofür zwar keiner mir direkt dankt;
Doch jeder, der mich kennt,
Mich oft beim Namen nennt
Um mich nach Hilfe zu fragen
Und sei es nur beim Tragen.
Denn eins, das seh´ ich ein:
Ich sag nur sehr ungern Nein!

Jedoch für meine Kinder
Werd´ ich zum Geschichtenerfinder.
Ob Glasauge oder Zaubertricks
Oder ein Wundertrank von Mirakulix,
Der Schurke in ihrem Abenteuer,
Ein gefräßiges Ungeheuer,
Ich halte sie nicht selten von der Wahrheit fern,
für meine Kinder mach ich das alles gern.

Hier, da und dort räume ich auf,
Nehm so manche Beule auch mal in Kauf,
Ich bespaße die Kinder den ganzen Tag.
Ich sie so lieb gewonnen, dass ich mich frag:
Was sie wohl ohne mich machen?
Wer bringt sie dann zum lachen?
Wer tobt mit ihnen, tagein tagaus,
Wer scheucht sie aus jedem Versteck heraus?
Wer erklärt ihnen dann, warum musste ich geh´n?
Ich bedaure aber nichts, war die Zeit noch so schön,
Habe viel dabei gelernt, weiß jetzt noch besser, wer ich bin.
Hab vor der Zukunft keine Angs, denn ich weiß, da will ich hin.